Vaskuläre Demenz: Ursache und Risikofaktoren

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Eine verminderte Durchblutung im Gehirn ist die Ursache für die zweithäufigste Demenzform, die vaskuläre Demenz. Hier erfahren Sie mehr über die Ursachen und Risikofaktoren.

Allgemeine Informationen

Es gibt unterschiedliche Formen der Demenz, die verschiedene Ursachen haben. Mehr als die Hälfte aller Demenzpatienten leidet an einer Alzheimer-Demenz. Die zweithäufigste Demenzform ist die vaskuläre Demenz. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Überbegriff, der mehrere verschiedene ähnliche Erkrankungen zusammenfasst. Gemeinsam haben alle Arten der vaskulären Demenz: Die Demenzsymptome entstehen dadurch, dass Teile des Gehirns schlechter durchblutet werden. Das sagt auch bereits der Name aus, denn „vaskulär“ bedeutet: „die Blutgefäße betreffend“.

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Hier erfahren Sie, welche Ursache die vaskuläre Demenz hat und welche Risikofaktoren zum Auftreten dieser Demenzform beitragen können. Allerdings ist es auch für Fachärzte nicht immer möglich, zwischen vaskulärer Demenz und Alzheimer klar zu unterscheiden. Bei manchen Betroffenen liegt zudem eine Mischform vor, die Merkmale der vaskulären und der Alzheimer-Demenz zeigt.

Zahlen, Daten und Fakten zur vaskulären Demenz

Je nachdem, welche Experten man fragt, unterscheiden sich die Zahlen zur vaskulären Demenz etwas. In den meisten Studien zeigt sich aber, dass rund jeder fünfte Demenzkranke eine vaskuläre Demenz hat. Von Alzheimer sind dagegen mehr als die Hälfte aller dementen Personen betroffen. Dazu kommen noch Patienten, die eine Mischform haben. Das heißt, sie leiden an einer Alzheimer-Demenz. Zusätzlich spielt aber auch eine verminderte Durchblutung des Gehirns eine Rolle.

Die vaskuläre Demenz ist nicht vererblich. Diese Demenzform entsteht, so nehmen Mediziner an, durch eine Kombination aus bestimmten Risikofaktoren und individueller Veranlagung.

Ursache der vaskulären Demenz

Jeder Bereich des Gehirns muss stetig mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Nur so kann unser Gehirn einwandfrei funktionieren. Für diese Versorgung sind die Blutgefäße zuständig. Große Schlagadern führen ins Gehirn und verzweigen sich dort immer weiter, bis hin zu sehr feinen Kapillargefäßen. So entsteht ein verästeltes Netzwerk aus Blutgefäßen, das jede einzelne Zelle erreicht.

Vaskuläre Neurologie: Zerebrale Ischämien, Hämorrhagien und vaskuläre Demenz
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Wird die Blutversorgung an einer bestimmten Stelle vermindert oder ganz durchbrochen, fällt die Versorgung bestimmter Hirnbereiche aus. Wie groß diese Bereiche sind und wo sie liegen, hängt von der Stelle ab, an der die Minderversorgung verursacht wird. Eine Ursache für solche Durchblutungsstörungen kann ein Blutgerinnsel sein, das das Gefäß schlagartig verstopft oder zum Reißen bringt. Man spricht dann von einem Schlaganfall oder Hirninfarkt.

Schlaganfall und Multi-Infarkt als Ursache

Wird ein größeres Hirnareal durch einen Schlaganfall nicht mehr durchblutet, können viele Nervenzellen gleichzeitig absterben. Das macht sich durch Symptome wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen bemerkbar. Ist jedoch nur ein kleines Gefäß betroffen, bemerkt man den Schlaganfall hingegen manchmal gar nicht. Die Ursache einer vaskulären Demenz sind meist mehrere Schlaganfälle. Das können einige größere oder viele kleine Schlaganfälle sein. Bei vielen kleineren Schlaganfällen spricht man auch vom Multi-Infarkt.

Bluthochdruck als Ursache der vaskulären Demenz

Bei Patienten mit einem langjährigen Bluthochdruck kann dieser die Hauptursache sein. Der erhöhte Druck belastet die Blutgefäße. Um diesem Druck entgegenzuwirken, werden die Wände der Blutgefäße starrer. Das Blut fließt schlechter. Es kann leichter zu Infarkten in den kleinen Blutgefäßen kommen. Besonders dann, wenn starker Bluthochdruck lange nicht bemerkt wurde, nicht behandelt wurde oder nicht gut mit Medikamenten eingestellt wurde.

Folgen der verminderten Durchblutung im Gehirn

Während Alzheimer stetig voranschreitet, kann sich die vaskuläre Demenz schubweise verschlechtern. Oft beginnt sie auch relativ abrupt (1). In manchen Fällen bessern sich Symptome zunächst wieder oder bleiben über längere Zeit konstant. Treten große Schlaganfälle auf, ist eine plötzliche starke Verschlimmerung möglich. Bei vielen kleinen Schlaganfällen kann es manchmal so aussehen, als ob die Symptome stetig und gleichmäßig zunehmen. Tritt eine vaskuläre Demenz ohne Alzheimer auf, kommt es im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz oft deutlich weniger oder erst sehr spät zum Gedächtnisverlust und zu Vergesslichkeit. Im Vordergrund können dafür Symptome wie Verlangsamung, Verwirrung oder Stimmungsschwankungen stehen. Die Symptome hängen aber stark davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist. Zusätzlich sind Beschwerden möglich, die mit einem Schlaganfall einhergehen, zum Beispiel Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen.

Risikofaktoren für die vaskuläre Demenz

Es gibt einige Risikofaktoren, die die Gefahr für das Auftreten einer vaskulären Demenz erhöhen. Diese Faktoren entsprechen denen, die mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind. Im Gegensatz zu Alzheimer ist bei der vaskulären Demenz deshalb eine Vorsorge möglich, wenn man diese Risikofaktoren meidet oder behandeln lässt (2). Ein Risikofaktor ist auch das Lebensalter, das wir selbst natürlich nicht beeinflussen können. Die folgenden Punkte lassen sich jedoch, zumindest zum Teil, durch den Lebensstil verändern. Hier können selbst kleine Änderungen oft viel bewirken, da sich diese Faktoren auch summieren.

Bluthochdruck (Hypertonie)

Ein zu hoher Blutdruck ist einer der Hauptrisikofaktoren für vaskuläre Demenz und auch für Schlaganfälle (siehe oben). Es gibt neben einer medikamentösen Behandlung einige Methoden, mit denen man den Blutdruck auf natürliche Weise senken kann. Dazu gehören ausreichend Bewegung, ein normales Körpergewicht, eine gesunde Ernährung, der Abbau von Stress sowie der Verzicht auf Nikotin und zu viel Alkohol.

Rauchen

Nicht nur die Lunge wird durch Rauchen geschädigt. Auch die Haut, das Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System werden in Mitleidenschaft gezogen (3). Da die schädlichen Inhaltsstoffe im Tabakrauch das Risiko für Arteriosklerose und Schlaganfälle erhöhen, steigt bei Rauchern auch das Risiko für eine vaskuläre Demenz.

Diabetes Typ 2 („Zuckerkrankheit“)

Diabetes Typ 2 wird auch Altersdiabetes genannt, da sich die Erkrankung in vielen Fällen oft erst im höheren Lebensalter zeigt. Typisch ist, dass noch genügend Insulin produziert wird. Allerdings kann es nicht mehr richtig an den Körperzellen wirken. Man spricht dann von einer „Insulinresistenz“. Typ-2-Diabetes geht mit einem höheren Risiko für eine vaskuläre Demenz einher. Warum das so ist, hat die medizinische Forschung bisher nicht genau klären können. Das Risiko erhöht sich noch, wenn es bei der Diabetesbehandlung häufig zur Unterzuckerung kommt (4).

Darum sollte Diabetes immer optimal kontrolliert und gut eingestellt werden, auch wenn das beim zusätzlichen Vorliegen einer Demenz zu einer Herausforderung werden kann. Denn immerhin ist im Normalfall der Kranke selbst für das Management seiner Blutzuckerwerte verantwortlich. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit dem Sozialdienst oder dem Arzt, wie ein möglichst gutes Management umgesetzt werden kann.

Erhöhtes Cholesterin

Zusätzlich und vor allem in Verbindung mit anderen der oben genannten Faktoren können auch stark erhöhte Cholesterinwerte im Blut das Risiko für Arteriosklerose und die vaskuläre Demenz erhöhen.

Bewegungsmangel, Übergewicht und ungesunde Ernährung

Zu wenig Bewegung und langes Sitzen wirken sich in vielerlei Hinsicht negativ aus. Unter anderem erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Umgekehrt können Sport, Aktivität und regelmäßige Bewegung viele der oben genannten Risikofaktoren vermindern. Zudem trägt Bewegung dazu bei, das Körpergewicht zu reduzieren. Denn auch Übergewicht (vor allem Bauchfett) ist ein Risikofaktor für vaskuläre Erkrankungen. Zusätzlich unterstützt eine Ernährung mit wenig Zucker und wenig gesättigten Fetten die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems.

Literaturhinweise zum Thema Demenzvorbeugung

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Quellenangaben

  1. „Abrupter Beginn ist typisch für eine vaskuläre Demenz“ (Ärzte Zeitung online, 15.05.2007).
  2. Hamann, Gerhard F. Vaskuläre Demenz: Wie erkennen und behandeln? Dtsch Arztebl 2015;112(49):[7].
  3. Pope CA et al. Cardiovascular mortality and exposure to airborne fine particulate matter and cigarette smoke: shape of the exposure-response relationship. Circulation. 2009 Sep 15;120(11):941-8.
  4. Deutscher Gesundheitsbericht: Diabetes 2017 – Die Bestandsaufnahme. Herausgeber: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.
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Bildquellen

  • Was ist vaskluäre Demenz?: Lightspring | Shutterstock.com

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