Angehörige von Demenzkranken: So achten Sie auf sich selbst

von Dr. Silvia Nold

Angehörige von Demenzkranken erleben viele schöne Momente, aber auch große Belastungen. Erfahren Sie hier, wie Sie auf sich selbst achten und für Entlastung sorgen können.

Allgemeine Informationen für Angehörige

Einen Menschen mit Demenz zu pflegen oder zu begleiten, ist nicht immer einfach. Es gibt viele herausfordernde Momente: Wenn es bei Ihrem Angehörigen oder Ihnen selbst psychische oder körperliche Probleme gibt. Wenn die Demenz voranschreitet und immer neue Einschränkungen hinzukommen. Wenn Ihr Angehöriger Verhaltensweisen zeigt, die Sie ärgern, verletzen oder überfordern. Wenn Sie plötzlich kaum noch Zeit für sich selbst und Ihr eigenes Leben haben. Und wenn Sie dann „nebenher“ auch noch bürokratische Hürden meistern müssen.

Damit daraus keine langfristige Überforderung entsteht, sollten Sie vorbeugen und sich bei Bedarf entlasten. Wie das machbar ist, erfahren Sie hier. Außerdem erklären wir Ihnen, wie Sie einen drohenden Burnout erkennen und vorbeugen können.

Einer Überlastung frühzeitig vorbeugen

„Vorbeugen ist besser als heilen“, sagte schon vor fast 200 Jahren der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland. Das gilt auch für pflegende Angehörige, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Dauerstress kann das Risiko für Burnout, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Krankheiten erhöhen. Er schadet aber auch dem Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Angehörigen. Wer überfordert und gestresst ist, reagiert schneller ungeduldig oder gereizt. Menschen mit Demenz reagieren daraufhin oft mit Trotz, Rückzug oder Aggression. Dadurch kann sich auf Dauer ein rauer Umgangston einschleichen. Sogar häusliche Gewalt entsteht manchmal aus solchen Konstellationen.

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Suchen Sie erst dann nach Hilfe, wenn Sie bereits über lange Zeit unter kaum tragbarem Stress stehen, ist es eigentlich zu spät. Denn dann verursacht die Organisation von Unterstützung noch zusätzlichen Stress, da es schnell gehen muss und Sie kaum mehr die Kraft haben, sich umfassend um passende Hilfe zu kümmern.

Das Beste, das Sie tun können, ist deshalb die Vorbeugung. Damit erst gar keine Überlastung entsteht, können folgende Punkte helfen:

  • Klären Sie mit Freunden, Nachbarn und Verwandten, wer regelmäßig helfen kann und welche Unterstützung notwendig ist. So verteilen sich die Belastungen auf mehrere Schultern.
  • Führen Sie Hobbys und Freundschaften unbedingt weiter. Dadurch schaffen Sie sich nicht nur Auszeiten. Der Umgang mit freudigen Tätigkeiten und das Zusammensein mit anderen Menschen entspannt auch und macht Sie widerstandsfähiger gegen Stress.
  • Schaffen Sie sich regelmäßige Pausen und Freiräume. Sorgen Sie zum Beispiel dafür, dass Sie pro Woche mindestens einen ganzen Tag „frei“ haben.
  • Achten Sie auf Ihre Gesundheit. Essen Sie gesund, treiben Sie Sport und gehen Sie, wenn nötig, zum Arzt.
  • Informieren Sie sich frühzeitig über gesetzliche Hilfen und Betreuungsangebote in Ihrer Umgebung und nehmen Sie diese bei Bedarf auch in Anspruch. Eine Übersicht über Hilfsmöglichkeiten finden Sie in unserem Artikel „Pflegende Angehörige: Was kommt auf mich zu?“.
  • Nehmen Sie Verhaltensweisen des Menschen mit Demenz nie persönlich. Durch die Demenz vergisst Ihr Angehöriger vielleicht Dinge oder Termine, macht Ihnen Vorwürfe oder reagiert unangemessen. Machen Sie sich stetig bewusst, dass der Abbau von Gehirnzellen dafür verantwortlich ist – nicht der Charakter oder eine böse Absicht Ihres Angehörigen.
  • Behalten Sie Ihren Humor, auch wenn es manchmal schwerfällt.

Für Ausgleich und Entspannung sorgen

Unsere körperliche und seelische Kraft ist begrenzt. Es ist ganz normal, dass man irgendwann an seine Grenzen gelangt. Fühlen Sie sich überfordert oder gestresst, dann sollten Sie am besten möglichst schnell die „Notbremse“ ziehen.

Hier finden Sie einige Ideen, wie Sie bei akutem Stress für Entlastung sorgen können:

  • Verschaffen Sie sich freie Zeit. Einige Stunden, einen Tag oder noch länger, je nach Bedarf. Dafür sorgen können Sie, indem Sie Nachbarn, Freunde, Familienangehörige oder eine Sozialstation bzw. Kurzzeitpflege einbinden. Nutzen Sie diese Zeit ganz gezielt für Unternehmungen, die Sie entspannen.
  • Wenn Sie Zeit zur Entspannung haben, würden Sie vielleicht am liebsten auf das Sofa fallen, die Beine hochlegen und einfach einmal nichts tun. Das ist für eine kurze Zeit auch hilfreich. Doch Studien zeigen, dass aktivere Dinge uns viel besser entspannen. Wie wäre es mit einem Massagetermin, einem Treffen mit den besten Freunden oder einem Spaziergang an der frischen Luft?
  • Entspannungstechniken wie Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung können helfen, Körper und Geist bewusst „herunterzufahren“. So können Sie auch kurze Auszeiten für eine intensive Entspannung nutzen. Entspannungstechniken können Sie in Kursen lernen (zum Beispiel an Volkshochschulen, bei Fachärzten oder alternativ im Internet, auf CD/MP3 oder als Video).
  • Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen. Dort treffen Sie nicht nur auf Verständnis von „Leidensgenossen“, sondern können auch Tipps und Informationen austauschen.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden, wenn es Ihnen zu viel wird. Emotionale Unterstützung, Gespräche und Zuspruch helfen oft schon viel.
  • Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers und gönnen Sie sich das, was Sie gerade brauchen.
  • Fühlen Sie sich akut stark überlastet, dann suchen Sie unbedingt sofort eine Lösung. Professionelle Helfer können Sie in dieser Situation erst einmal entlasten, während Sie die nächsten Schritte planen.

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Anzeichen für Burnout erkennen und gegensteuern

Starke Belastungen können auf Dauer ein Burnout oder eine Depression auslösen (1). Gerade pflegende Angehörige haben ein erhöhtes Risiko, da Sie eine große Verantwortung zu tragen haben. Darum sollten Sie auf erste Warnzeichen achten, die auf ein beginnendes Burnout-Syndrom hindeuten können.

Warnzeichen für Burnout oder Depression:

  • Sie haben das Gefühl, nie Zeit zu haben und unentbehrlich zu sein.
  • Sie reagieren vermehrt gereizt, ungeduldig oder jähzornig.
  • Sie schlafen schlecht und können schwer einschlafen oder nicht durchschlafen.
  • Sie haben keine Zeit und Lust mehr für Freunde, Sport und Hobbys oder auch Sexualität.
  • Sie fühlen Sich momentan oft müde, erschöpft oder abgeschlagen.
  • Sie fühlen sich leer, niedergeschlagen oder traurig.
  • Dinge, die Ihnen vorher Freude gemacht haben, machen Ihnen plötzlich keinen Spaß mehr.
  • Die normalen Alltagsaufgaben fallen Ihnen zunehmend schwer und kosten Überwindung.
  • Sie können sich nicht gut konzentrieren.
  • Sie fühlen sich minderwertig oder schuldig.
  • Sie haben keinen Appetit mehr.
  • Nach Pausen fühlen Sie sich nicht erholter als vorher.
  • Sie fühlen sich krank oder haben ständig körperliche Probleme wie Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Verspannungen, Rückenschmerzen oder Verdauungsprobleme.
  • Sie haben Selbstmordgedanken.

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Anzeichen bei sich oder jemand anderem entdecken, dann ist ein Arztbesuch dringend angeraten. Zudem können die oben genannten Tipps Ihnen helfen, für mehr Entlastung zu sorgen. Oft reichen schon kleine Änderungen, um nachhaltig für Entlastung zu sorgen.

Tipps von Prof. Dr. Gerald Hüther zum Umgang mit Menschen mit Demenz

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Quellenangaben

  1. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie: Unipolare Depression. Langfassung, 2. Auflage, 2015.

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Bildquellen

  • Eine alte lachende Dame als Symbol für verschiedene Tipps für Angehörige von Demenzerkrankten: Berna Namoglu | Shutterstock.com