Lewy-Körperchen-Demenz: Symptome und Besonderheiten

von Dr. Silvia Nold

Die Lewy-Körperchen-Demenz äußert sich typischerweise in Bewegungsstörungen, Halluzinationen und Alzheimer-ähnlichen Symptomen. Erfahren Sie hier, was Sie im Verlauf einer Lewy-Körperchen Demenz erwartet.

Die Lewy-Körperchen-Demenz wird auch Lewy-Body-Demenz genannt. Sie kann als Begleiterkrankung beim Parkinson-Syndrom oder als eigenständige Erkrankung auftreten. Charakteristisch sind Proteinablagerungen (die namensgebenden Lewy-Körperchen) in den Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns. Dadurch kommt es zu Symptomen wie Halluzinationen, psychotischen Störungen und Bewegungsstörungen. Hier erfahren Sie mehr über die Besonderheiten der Lewy-Körperchen-Demenz im Vergleich zu anderen Demenzen.

Zahlen, Daten und Fakten zur Lewy-Körperchen-Demenz

Benannt ist die Lewy-Körperchen-Demenz nach dem deutschen Arzt Friedrich Heinrich Lewy, der während seiner Tätigkeit an der Berliner Charité die charakteristischen Lewy-Körperchen erstmals beschrieb.

In verschiedenen Studien lag die Häufigkeit der Lewy-Body-Demenz bei den unter 65-Jährigen zwischen 3,6 und 6,6 Prozent (1). Bei den über 65-Jährigen sind mehr Menschen betroffen. Die Angaben zur Häufigkeit bei älteren Menschen schwanken stark. Es wird geschätzt, dass bis zu 30 Prozent aller über 65-jährigen Demenzerkrankten diese Form der Demenz haben könnten (2).

Dennoch ist die Lewy-Body-Demenz sehr viel unbekannter als andere Demenzformen wie Alzheimer. Die genaue Angabe der Häufigkeit ist schwierig, da es auch Mischformen gibt. Manchmal sind also sowohl Alzheimer-Plaques als auch Lewy-Körperchen im Gehirn zu finden sind. Zudem tritt die Lewy-Body-Demenz oft im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung auf. Experten berichten, dass die Lewy-Körperchen-Demenz selbst bei Ärzten manchmal weniger bekannt ist und dass es oft zu Fehldiagnosen kommt (3).

Für Angehörige stellt eine Lewy-Körperchen-Demenz oft eine besondere Herausforderung und mitunter auch eine große Belastung dar. Das liegt in erster Linie an den Bewegungsstörungen und den psychotischen Symptomen, mit denen die Betroffenen und ihre Angehörigen umgehen müssen.

Die Ursache der Lewy-Körperchen-Demenz

Bisher sind keine Risikofaktoren oder Ursachen bekannt, die eine Lewy-Körperchen-Demenz direkt auslösen. Es gibt generelle Risikofaktoren, die das Risiko für das Auftreten verschiedener Demenzen wie Alzheimer und auch die Lewy-Body-Demenz erhöhen. Dazu gehören Bewegungsmangel oder Rauchen.

Die Symptome der Lewy-Body-Demenz entstehen durch Eiweißpartikel im Gehirn. Proteine lagern sich in Form der sogenannten Lewy-Körperchen innerhalb der Nervenzellen im Bereich der Großhirnrinde ab. Dabei handelt es sich um Abbauprodukte des körpereigenen Eiweißes Alpha-Synuclein. Dieses bildet zusammen mit anderen Proteinen die charakteristischen Einschlüsse.

Auch bei Parkinson-Patienten findet man Lewy-Körperchen. Allerdings werden diese nicht in der Großhirnrinde, sondern im Hirnstamm eingelagert. Dadurch kommen unterschiedliche Symptome zu Stande. Unter anderem werden willkürliche Bewegungen vom Hirnstamm gesteuert. Gibt es dort Schädigungen der Nervenzellen, entstehen die für Parkinson-Patienten typischen Bewegungsstörungen. Die Großhirnrinde hingegen enthält verschiedene Bereiche, in denen unsere Sinneswahrnehmungen verarbeitet werden. In dieser Hirnregion verursachen Lewy-Körperchen Symptome der Lewy-Body-Demenz.

Häufig treten auch beide Erkrankungen gemeinsam auf. Kommt es bei einer Parkinson-Erkrankung zu Demenzsyptomen, spricht man von einer Parkinson-Demenz. Kommt es erst ein Jahr oder später nach einer Demenzdiagnose zu Parkinson-Symptomen, spricht man von einer Lewy-Body-Demenz. Mit neuen Forschungsansätzen soll in Zukunft versucht werden, noch exakter zwischen beiden Erkrankungsformen zu differenzieren und sie genauer zu charakterisieren, berichtet der österreichische Neurologe Prof. Jellinger (4). So könnten in Zukunft möglicherweise spezialisierte Therapien für Parkinson und die Lewy-Body-Demenz entwickelt werden.

Symptome der Lewy-Body-Demenz

Menschen mit Lewy-Body-Demenz zeigen oft Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen wie Zittern, verlangsamte Bewegungen und steife Muskeln. Typisch sind auch optische Halluzinationen, die oft sehr klar und detailliert sein können. So sehen Betroffen zum Beispiel Menschen oder Tiere, die nicht da sind. Die Ursache dafür sind Beeinträchtigungen der Großhirnrinde, in der die Signale der Sinnesorgane „übersetzt“ und verarbeitet werden.

Seltener sind auch akustische Halluzinationen wie das Hören von Musik oder Stimmen möglich. Einen weiteren Hinweis auf das Vorliegen einer Lewy-Körperchen-Demenz geben starke Schwankungen der Symptome. Sowohl psychische Symptome als auch Wachheit, Bewegung und Aktivität können immens fluktuieren, und zwar von einem Tag zum anderen und auch innerhalb des Tagesverlaufs.

Weitere mögliche Symptome einer Lewy-Body-Demenz:

  • Starke Bewegungen oder Sprechen, Lachen und Schreien im Schlaf sind möglich. Dieses sogenannte Ausagieren von Träumen kommt durch eine fehlende motorische Hemmung zu Stande, was für daneben liegende Personen unangenehm sein kann. Unter Umständen kann es sogar zu einer Verletzungsgefahr werden.
  • Schläfrigkeit und verlängerte Schlafphasen
  • Stürze und / oder kurze Bewusstlosigkeit (medizinisch: Synkope), Kreislaufprobleme
  • Urininkontinenz
  • Depressionen
  • Wahnhaftes Verhalten, Psychosen
  • Alzheimer-ähnliche Symptome z.B. Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme

Umgang mit den Symptomen für Angehörige

Vor allem die Halluzinationen, aber auch die Parkinson-Symptome, stellen für Angehörige oft eine starke Belastung dar (1). Darum sollten Sie bei Bedarf mit Ihrem Arzt darüber sprechen, ob eine medikamentöse Behandlung bestimmter, belastender Symptome möglich ist. Auch wenn Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz nicht alle Medikamente vertragen (siehe unten) gibt es oft wirksame Alternativen, die allen Beteiligten das Leben erleichtern können (5).

Angehörige sollten mit Fortschreiten der Erkrankung auch alle verfügbaren Hilfen in Anspruch nehmen, um die Belastung zu vermindern. Im fortgeschrittenen Verlauf der Erkrankung werden viele Betroffene durch die Sturzneigung und Bewegungsstörungen bettlägrig und benötigen dauerhafte Pflege.

Besonderheiten bei der Therapie der Lewy-Body-Demenz

Werden optische Halluzinationen bei einer Lewy-Body-Demenz mit Neuroleptika (Arzneimittel gegen Psychosen) behandelt, kommt es oft zu einer sogenannten paradoxen Reaktion. Dadurch kann eine erhöhte Aggressivität oder eine schlagartige Verstärkung der Parkinson-Symptome auftreten (5). Bisweilen fallen Patienten auch Stunden oder Tage lang in einen Tiefschlaf.

Die Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz lassen sich in den meisten Fällen jedoch mit Hilfe verschiedener Medikamente lindern (5). Die Behandlung erfolgt in jedem Einzelfall nach Ermessen des Arztes, da es große individuelle Unterschiede gibt. Deshalb kann es sinnvoll sein, einen Spezialisten für die Erkrankung aufzusuchen. Das gilt vor allem dann, wenn die Symptome die Lebensqualität einschränken und sich nicht in den Griff bekommen lassen.

Neben Medikamenten bewirken auch nicht-medikamentöse Maßnahmen oft eine Besserung und einen einfacheren Umgang mit der Erkrankung. Gedächtnistraining, Maßnahmen der Physiotherapie und Ergotherapie sowie Verhaltenstherapien sind möglich. Einigen Betroffenen helfen auch spezielle Kunst- oder Musiktherapien.

In den letzten Jahren gab es viele neue Erkenntnisse und es laufen aktuell einige Studien, die sich mit den physiologischen Grundlagen und der Charakterisierung dieser Demenzform befassen (6). Es bleibt zu hoffen, dass es in Zukunft dadurch neue Therapiemöglichkeiten geben wird, die die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf verlangsamen können.

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Quellenangaben

  1. Mollenhauer B, et al. Demenz mit Lewy-Körpern und Parkinson-Krankheit mit Demenz: Zwei häufige Demenzformen, die oft nicht erkannt werden. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(39): 684-91.
  2. Zaccai J, et al. A systematic review of prevalence and incidence studies of dementia with Lewy bodies. Age Ageing. 2005 Nov;34(6):561-6.
  3. Walker Z, et al. Lewy body dementias. Lancet. 2015 Oct 24;386(10004):1683-97.
  4. Jellinger KA. Dementia with Lewy bodies and Parkinson’s disease-dementia: current concepts and controversies.J Neural Transm (Vienna). 2018 Apr;125(4):615-650.
  5. Deuschl G, Maier W et al. S3-Leitlinie Demenzen. 2016. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen Januar 2020)
  6. McKeith IG, et al. Diagnosis and management of dementia with Lewy bodies: Fourth consensus report of the DLB Consortium. Neurology. 2017 Jul 4;89(1):88-100.
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Bildquellen

  • Lewy Körperchen Demenz Beitragsbild: Orawan Pattarawimonchai | Shutterstock.com
Dr. Silvia Nold

Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin und hat eine abgeschlossene Ausbildung als pharmazeutisch-technische Assistentin mit Schwerpunkt Ernährungslehre. Sie war mehrere Jahre in der medizinischen Diagnostik tätig. Dr. Nold schreibt für Lanaprinzip Publishing LLC über Themen der Biologie, Medizin und Ernährung.