Diagnose Demenz: Wie wird Demenz diagnostiziert?

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Lässt das Kurzzeitgedächtnis nach, kann nur ein Arzt sicher feststellen, ob eine Demenz dahintersteckt. Dabei gilt: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser.

Eine Demenz beginnt in den meisten Fällen schleichend. Betroffene und Angehörige bemerken deshalb oft erst rückblickend, dass schon seit längerer Zeit erste Anzeichen für eine Demenz sichtbar waren. Haben Sie einen Verdacht auf eine Demenz, sollten Sie nicht zögern, einen Termin beim Arzt zu vereinbaren. Denn je früher die Diagnose erfolgt, desto besser. Hier erfahren Sie, warum eine frühe Diagnose wichtig ist, wie die Diagnose einer Demenz abläuft und welche Untersuchungen die Betroffenen beim Arzt erwarten.

Diagnose einer Demenz: Ab wann spricht man von Demenz?

Nicht immer ist Vergesslichkeit ein Symptom von Demenz. Es kann auch ein normaler Alterungsprozess dahinter stecken, den Sie durch „Gehirnjogging“ und andere Maßnahmen aufhalten können. Dauern Symptome wie Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten über längere Zeit (mehrere Monate) an oder verschlimmern sie sich merklich, sollten sie auf jeden Fall ärztlich abgeklärt werden. Denn die frühe Diagnose einer Demenz hat viele Vorteile.

Vorteile einer frühen Diagnose einer Demenz

  • Bestimmte, seltenere Demenzarten sind reversibel, können sich durch eine Therapie also deutlich bessern.
  • Medikamente wirken im frühen Stadium einer Demenz oft besser. So kann der Krankheitsverlauf effektiver verlangsamt werden.
  • Betroffenen und ihren Angehörigen haben Zeit, sich umfassend zu informieren und sich mit dem zu erwartenden Krankheitsverlauf auseinanderzusetzen. Das hilft dabei, die Unsicherheit zu nehmen.
  • Es ist mehr Zeit dafür da, für die zukünftige Entwicklung vorzusorgen. Dabei können Betroffene sich aktiv selbst an Entscheidungen beteiligen, bevor die geistige Einschränkung sie später daran hindert.
  • Alle Beteiligten können sich frühzeitig über Hilfsangebote informieren und rechtzeitig eine Beratung oder Unterstützung in Anspruch nehmen.
  • Studien zeigen, dass Menschen mit Demenz länger selbständig leben können, wenn die Krankheit früh erkannt wird. Unter anderem kann durch eine Veränderung des Lebensstils und andere nicht-medikamentöse Maßnahmen Demenz behandelt und das Fortschreiten verlangsamt werden (1).
  • Liegt keine Demenz vor, sondern nur eine normale Vergesslichkeit im Alter, kann eine frühe Abklärung beim Arzt viele Sorgen ausräumen.

Wer klärt Demenz wie ab?

Der erste Weg führt bei Verdacht auf eine Demenz in der Regel zum Hausarzt. Er kann durch eine genaue Befragung (Anamnese) herausfinden, ob eine Demenz wahrscheinlich ist. In manchen Fällen wird ein Facharzt hinzugezogen, vor allem bei Krankheitsbeginn in jüngerem Alter (unter 65 Jahren), bei ungewöhnlichen Symptomen oder einem sehr schnellen Verlauf. Das kann ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Facharzt für Neurologie (Nervenheilkunde) oder eine spezialisierte Klinik sein.

Gespräch mit Anamnese

Die Anamnese ist eine Bestandsaufnahme. Der Arzt fragt nach Symptomen und seit wann sie auftreten. Auch begleitende Angehörige werden danach befragt, welche Veränderungen ihnen aufgefallen sind. Mit diesen Fragen soll abgeklärt werden, ob gemäß der Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) eine Demenz vorliegt (2). Dafür muss unter anderem gelten: Symptome wie Vergesslichkeit, Veränderungen des Verhaltens oder fehlende Motivation treten seit mindestens sechs Monaten auf und hängen nicht mit Einschränkungen des Hörens oder Sehens zusammen.

Außerdem klärt der Arzt auch viele weitere Dinge ab, um das Gesamtbild beurteilen zu können:

  • Bestehen Vorerkrankungen?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?
  • Bestehen im Moment noch andere körperliche oder psychische Probleme?
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Andere Erkrankungen ausschließen

Wichtig ist, dass reversible Ursachen einer Demenz ausgeschlossen werden. Behebbare Ursachen einer Demenz sind unter anderem Vitaminmangel (B12, Folsäure), hormonelle Ursachen (z. B. Schilddrüsenhormone), Medikamentenmissbrauch, operable Tumore oder bestimmte Infektionen des Gehirns. Auch eine Abgrenzung zu anderen Krankheiten ist notwendig, denn Symptome einer Demenz können auch durch Erkrankungen wie Parkinson, die Erbkrankheit Chorea Huntington oder Erkrankungen der Nieren, Bauchspeicheldrüse oder Leber hervorgerufen werden. Auch Depressionen können in manchen Fällen dazu führen, dass der Verdacht auf eine Demenz entsteht.

Welcher Test bei Demenz kann was?

Um eine Demenz zu diagnostizieren und die Ursache für die Demenz herauszufinden, helfen dem Arzt Ergebnisse verschiedener Untersuchungen. Nicht immer sind alle der unten genannten Untersuchungen notwendig. Bei der Diagnostik richten sich die Ärzte nach Leitlinien, in denen medizinische Fachgesellschaften Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung geben, basierend auf dem aktuellen Stand der Demenzforschung (3).

  • Körperliche Untersuchungen und Blutuntersuchung: Durch die Messung von Blutdruck und Puls, Urinuntersuchungen und Blutuntersuchungen erkennt der Arzt verschiedene Erkrankungen und Stoffwechselstörungen, die eine Demenz verursachen können. Im Blut lassen sich unter anderem behandelbare Demenzursachen ausschließen, wie ein Vitaminmangel oder Störungen der Schilddrüsenfunktion.
  • Liquordiagnostik: Als Liquor wird die klare, wässrige Flüssigkeit bezeichnet, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt. Bei einer Liquor-Untersuchung (Lumbalpunktion) wird die Rückenmarksflüssigkeit mit einer dünnen Nadel entnommen. Liegen bestimmte Eiweiße im Liquor vor, deutet das auf eine Alzheimer-Erkrankung hin.
  • Neurologische und psychologische Tests: Um zu Beurteilen, wie leistungsfähig das Gehirn ist, führt der Arzt verschiedene Tests durch. Dazu gehören zum Beispiel Fragen zu Ort und Datum oder das Lösen einfacher Rechenaufgaben. Häufig wird der Mini-Mental-Status-Test (MMST) eingesetzt. Er besteht aus Fragen und Aufgaben aus verschiedenen Kategorien, zum Beispiel zeitliche und räumliche Orientierung, Erinnerungsfähigkeit, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Sprache und Rechnen. Der Arzt kann aber auch andere Tests anwenden, zum Beispiel indem er den Betroffenen eine Uhr aufzeichnen lässt.
  • Bildgebung (MRT, CT): Die Magnetresonanztherapie (MRT) oder Computertomographie (CT) bilden das Gehirn schichtenweise ab. Sie können zeigen, ob Tumore oder Durchblutungsstörungen im Gehirn vorliegen. Es lässt sich auch feststellen, wenn bestimmte Abschnitte des Gehirns verändert oder geschrumpft sind. Weitere Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) lassen auch Rückschlüsse auf Stoffwechselprozesse im Gehirn zu und können vom Arzt zusätzlich angefordert werden.
  • Genetische Tests: Sehr selten kann eine Alzheimer-Erkrankung auch vererblich und nicht altersbedingt sein. Betroffen erkranken dann meist schon früh, im Alter von 30 bis 65 Jahren. In diesem Fall kann ein Gentest sinnvoll sein.
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Was tun, wenn Betroffene nicht zum Arzt gehen wollen?

Manchmal lehnen Betroffene einen Arzttermin kategorisch ab und reagieren möglicherweise sogar aggressiv darauf, wenn man sie mit der Vermutung einer Demenz konfrontiert. In diesem Fall können Angehörige alle Symptome einige Wochen lang dokumentieren und anhand dieser Aufzeichnungen das weitere Vorgehen mit einem Arzt besprechen. Unter Umständen können auch kleine Tricks helfen. Angehörige können mit dem Arzt vereinbaren, dass er den oder die Betroffene zu einem jährlichen Check-Up zur Kontrolle von Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck einlädt. In manchen Fällen ist auch ein Hausbesuch eine Lösung.

Denken Sie immer daran: Die Weigerung, zum Arzt zu gehen, und auch Aggressionen oder das Nicht-Wahrhaben-Wollen sind meist Zeichen von Angst. Die Angst davor, als verrückt zu gelten, die Kontrolle über sein Leben zu verlieren oder in ein Pflegeheim zu müssen. Oft hilft es deshalb, feinfühlig auf solche Ängste einzugehen und das Thema behutsam immer wieder anzusprechen.

Checkliste für das Arztgespräch bei Verdacht auf Demenz

Vermuten Sie eine Demenz bei sich oder einem Familienmitglied? Dann sollten Sie diese Sorge beim Arzt abklären lassen. Der erste Ansprechpartner ist hier in der Regel der Hausarzt. Die folgenden Punkte können Ihnen dabei helfen, sich auf das Arztgespräch optimal vorzubereiten:

  • Der Ehepartner oder Angehörige sollten beim Arztbesuch am besten dabei sein. Sie können Symptome besser schildern, die dem Betroffenen möglicherweise gar nicht bewusst sind.
  • Notieren Sie sich vorher alle Fragen, die Sie dem Arzt stellen möchten. So vergessen in der Aufregung nichts.
  • Es kann hilfreich sein, sich vorher Notizen über Symptome zu machen. Wann traten die Symptome das erste Mal auf? Wurden Sie schlimmer? Gibt es bestimmte Auslöser für die Beschwerden?
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Diese Informationen sollten Sie beim Arztbesuch parat haben:

  • Auflistung aller Medikamente (auch Hausmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Mittel), die eingenommen werden
  • Bisherige Befunde, zum Beispiel Arztbriefe, Röntgenbilder, Ergebnisse von Blutuntersuchungen
  • Informationen über Vorerkrankungen, Allergien und durchgeführte Operationen

Fragen, die Sie dem Arzt stellen können:

  • Stehen mir Hilfen zu? Wo bekomme ich weiterführende Informationen darüber?
  • Welcher Verlauf ist zu erwarten? Wie können ich / meine Angehörigen sich darauf vorbereiten?
  • Ist ein Besuch beim Facharzt, in einer Fachklinik oder einer Gedächtnisambulanz nötig und sinnvoll? Können Sie mir entsprechende Spezialisten nennen?
  • Welche Therapien gibt es? Welche davon ist für mich am besten geeignet?
  • Gibt es nicht-medikamentöse Maßnahmen, die mir helfen können, damit die Erkrankung langsamer voranschreitet?
  • Was kann ich selbst zu einer Therapie beitragen?
  • Was können / sollten Angehörige jetzt tun?
  • Was muss ich im Alltag beachten? Gibt es Dinge, die ich aufgrund der Erkrankung oder der Medikamente in Zukunft anders machen oder unterlassen sollte?

Wurden Fragen nicht zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet oder tauchten nach dem Arztgespräch noch viele weitere Fragen auf? Dann steht Ihnen grundsätzlich immer frei, sich eine Zweitmeinung einzuholen. Je nach Region gibt es in Ihrer Nähe möglicherweise auch eine Gedächtnisambulanz oder eine Beratungsstelle, an die Sie sich wenden können. Auch Selbsthilfegruppen für Demenzkranke und ihre Angehörigen können oft sehr wertvolle und konkrete Tipps geben.

Wo steht die Demenzforschung heute? Interview mit Prof. Dr. Gerald Hüther

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Quellenangaben

  1. Ngandu T, et al. A 2 year multidomain intervention of diet, exercise, cognitive training, and vascular risk monitoring versus control to prevent cognitive decline in at-risk elderly people (FINGER): a randomised controlled trial. Lancet. 2015 Jun 6;385(9984):2255-63.
  2. World Health Organization. (‎2012)‎. Dementia: a public health priority. World Health Organization.
  3. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN): Leitlinie „Demenzen“. Langversion, Januar 2016.
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Bildquellen

  • Ein älteres Paar: Pressmaster | Shutterstock.com

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