Demenz-Stufen: Welche Stadien der Demenz gibt es?

von Dr. Silvia Nold

Im Verlauf einer Demenz kommt es zu Symptomen wie zunehmender Vergesslichkeit und Verhaltensveränderungen. Hier erfahren Sie, welche Demenz-Stufen es gibt, was Sie erwartet, und auf was Sie sich auf verschiedene Stadien der Demenz vorbereiten sollten.

Allgemeine Informationen zum Demenz Verlauf

Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf: Was erwartet Betroffene und Angehörige in der Zukunft? Wie entwickelt sich die Demenz weiter? Welche Herausforderungen kommen auf alle Beteiligten zu? Welche Demenz-Stufen werden durchlaufen?

Wichtig ist, dass Sie sich möglichst gut über den Verlauf der Erkrankung informieren. Das nimmt die Unsicherheit und hilft dabei, schon früh wichtige Schritte einzuleiten, um die Lebensqualität für Demenzkranke und auch für ihre Angehörigen zu erhöhen. Hier erfahren Sie, wie der typische Verlauf einer Demenz aussehen kann und welche drei Stadien man dabei unterscheidet.

Allerdings ist jede Demenz anders und jeder Mensch reagiert unterschiedlich. Je nachdem, welche Bereiche des Gehirns am stärksten geschädigt sind, können verschiedene Symptome auftreten. Zudem gehen die Stadien fließend ineinander über. Haben Sie konkrete Fragen zum ganz individuellen Verlauf einer Demenz, dann sollten Sie diese mit einem Arzt oder bei einer Demenz-Beratungsstelle besprechen.

Das sollten Sie über den Verlauf einer Demenz wissen

Um die Demenz-Stufen und die von der Demenz betroffene Personen besser zu verstehen, sollten Ihnen einige Dinge bewusst sein: Eine Demenz hat nichts mit „Verrücktsein“ zu tun. Allerdings kann sich das Demenz-Syndrom für Außenstehende in schwer nachvollziehbaren Handlungen äußern. Außerdem schwanken die Symptome oft. Auf einen Tag mit großer Verwirrung und Orientierungslosigkeit kann ein Tag mit völliger Klarheit folgen.

Mit den Symptomen einer Demenz können nicht nur Angehörige oft schwer umgehen – auch der Betroffene selbst leidet darunter, die Kontrolle zu verlieren. Das kann zu Wut und aggressivem Verhalten führen. Zudem ändert sich durch die Erkrankung nach und nach das Verhalten. Unter Umständen reagieren Betroffene emotional oder irrational, ignorieren gutes Zureden oder Ratschläge und verhalten sich vielleicht unangemessen, peinlich oder unverständlich.

Wichtig ist, diese Symptome als Teil der Erkrankung zu begreifen, nicht als böse Absicht. Auch wenn Wut und Ungeduld bei Angehörigen ganz normale Reaktionen sind, sollten sie darauf achten, den Demenzkranken nicht zu bevormunden, nicht zu maßregeln und mit Würde und Respekt zu behandeln. Immerhin könnte es jeden von uns einmal treffen.

Bis auf wenige, seltene Formen ist Demenz derzeit nicht heilbar. Medikamente und nicht-medikamentöse Behandlung von Demenz können den Verlauf einer Demenz jedoch verlangsamen. Angehörige und auch die Betroffenen selbst sollten sich jedoch auf den im Folgenden geschilderten Verlauf vorbereiten, damit Sie bestmöglich damit umgehen können, wenn es so weit ist.

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Die drei Demenz-Stufen

Es gibt verschiedene Formen der Demenz. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenzen und betrifft rund 60 Prozent aller Demenzkranken. Im Folgenden werden die drei typischen Stadien im Verlauf einer Alzheimer-Demenz geschildert. Bei anderen, seltenere Demenzformen kann der Verlauf davon abweichen. Mehr zum Verlauf anderer Demenzformen können Sie bei den Informationen über die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz und weitere seltene Demenzarten nachlesen.

Frühes Stadium der Demenz

Unser Gehirn ist in der Lage, leichte Schädigungen zu kompensieren. Deshalb gehen Forscher davon aus, dass die ersten Symptome einer Demenz erst bis zu zwei Jahrzehnte nach Krankheitsbeginn auftreten (1). Eine beginnende, leichte Demenz äußert sich zunächst meist in Vergesslichkeit. Allerdings muss Vergesslichkeit nicht immer ein Symptom einer Demenz sein. Typisch für Alzheimer ist, dass Betroffene sich neue Dinge schlechter merken können. Gewohnte Tätigkeiten können plötzlich Schwierigkeiten bereiten und kompliziert erscheinen.

Das kann sich darin äußern, dass öfter Gegenstände verlegt werden, Termine versäumt werden, Betroffene sich an neuen Orten nur schlecht zurecht finden oder dass Gelesenes sofort wieder vergessen wird. Der Familie, Freunden oder Arbeitskollegen fällt vielleicht auf, dass Betroffene Gesprächen weniger gut folgen können, dass ihnen manchmal Wörter nicht einfallen oder dass sie die gleichen Fragen oder Geschichten mehrfach wiederholen. Mehr erfahren Sie unter „Symptome und erste Anzeichen der Demenz“.

Die Vergesslichkeit wirkt sich auch emotional aus: Ängste treten auf. Manche Betroffenen meiden bewusst oder unbewusst neue Situationen oder Unternehmungen, bei denen sie sich zunehmend unsicher fühlen. Dadurch wirken sie möglicherweise antriebslos oder depressiv. Es kann zu Scham, Frustration oder Angst kommen. Typisch ist, dass mit Trotz, Spot, Abwehr, Verleugnung oder Aggression auf Nachfragen reagiert wird. Denn es fällt den Betroffenen oft sehr schwer, sich selbst und anderen einzugestehen, dass ganz alltägliche Dinge plötzlich nicht mehr funktionieren.

Im frühen Stadium ist eine Abklärung und Diagnose der Demenz durch den Arzt besonders wichtig. Denn eine rechtzeitige Therapie kann dabei helfen, das Fortschreiten der Demenz zu verlangsamen, bestmögliche therapeutische Maßnahmen zu ergreifen und die Selbstbestimmtheit des Betroffenen so lang wie möglich zu erhalten (2, 3).

Hier geht es zum Fachartikel über das Frühstadium der Demenz.

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Mittelgradige Demenz

Schreitet die Demenz weiter fort, steigert sich die Vergesslichkeit und wirkt sich auf Alltagstätigkeiten aus. Betroffene haben zunehmend Probleme damit, komplexe Aufgaben auszuführen. Tätigkeiten wie Kochen, Körperpflege, Ankleiden oder Einkaufen können zur Herausforderung werden. Termine, Uhrzeiten und das Datum werden verwechselt und auch die Orientierung fällt schwerer, sodass in diesem Stadium Hilfe für den Alltag benötigt wird.

Bei manchen Dementen leidet der Schlaf-Wach-Rhythmus. Auch im Gespräch merkt man nun oft deutliche Veränderungen. Betroffene schweifen ab, vergessen manchmal während Ihrer Antwort eine gestellte Frage oder machen Fehler beim Satzbau und in der Wortwahl.

In der zweiten Phase der Demenz verblassen nach und nach Erinnerungen. Zunächst kann es zum Beispiel vorkommen, dass die eigenen Kinder oder Enkel auf den ersten Blick nicht mehr erkannt werden, oder dass es etwas dauert, bis Betroffene sich an die Namen von Familienmitgliedern erinnern. Nach und nach schwinden die Erinnerungen an den Ehepartner und die Familie immer mehr, was für Angehörige sehr schmerzlich sein kann.

Zuletzt werden die Kinder oder der Partner vielleicht gar nicht mehr erkannt. Auch das Allgemeinwissen, Kenntnisse aus Hobby und Beruf und auch künstlerische oder handwerkliche Fertigkeiten können verschwinden. Stattdessen scheint der Betroffene dafür manchmal in der Vergangenheit zu leben. Es wird von früheren Wohnorten, Freunden oder Nachbarn berichtet, als seien die Erlebnisse erst gestern geschehen.

In dieser Phase kann es zudem zu starken emotionalen Reaktionen kommen. Betroffen fühlen sich manchmal belogen oder bestohlen. Je nach Persönlichkeit werden sie nervös und ängstlich oder aggressiv und laut.

Hier auf unserem Portal finden Sie viele hilfreiche Tipps, wie Angehörigen damit umgehen können und wie sie Betroffenen am besten dabei helfen können, sich in jeder Phase der Demenz trotzdem wohl zu fühlen. Hier geht es zum Fachartikel zum mittleren Stadium der Demenz.

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Spätes Stadium der Demenz

In der letzten Demenz-Stufe verlieren die Betroffenen immer mehr ihrer Fähigkeiten. Der Bezug zur Umwelt und die Fähigkeit zur Orientierung nimmt stetig ab. Nach und nach ziehen sich Betroffene immer mehr in sich selbst zurück. Sie sprechen immer weniger und reagieren weniger auf Ansprache.

Im Übergang von der mittleren zur späten Phase kann es aber zu starken Schwankungen kommen. Ein Mensch, der stundenlang schweigend dasitzt, kann im nächsten Moment womöglich ziellos umherwandern. Manche Betroffenen erwachen nachts, führen wahllos erscheinende Tätigkeiten durch oder „geistern“ im Dunkeln durch das Haus.

Darum ist es besonders wichtig, dass die Betroffenen gut betreut werden und keine Möglichkeit haben, das Haus oder die Wohnung selbständig zu verlassen und sich dabei in Gefahr zu bringen. Im weiteren Verlauf sind Menschen mit Demenz immer mehr auf Hilfe angewiesen. Gehen und später auch Sitzen sind nicht mehr möglich, der Patient wird bettlägrig. Zuletzt schwindet auch die Kontrolle über die Körperfunktionen. Inkontinenz oder Schluckstörungen können die Folge sein.

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Doch auch in diesem Stadium gibt es viele Möglichkeiten, mit dem Betroffenen Kontakt aufzunehmen und in seine Welt vorzudringen. Berührungen, Geräusche, Musik, Düfte oder der Kontakt mit Tieren können Erinnerungen und Assoziationen wecken. Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Spätstadium der Demenz.

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Quellenangaben

  1. Villemagne VL, et al. Amyloid β deposition, neurodegeneration, and cognitive decline in sporadic Alzheimer’s disease: a prospective cohort study. Lancet Neurol. 2013 Apr;12(4):357-67.
  2. Ngandu T, et al. A 2 year multidomain intervention of diet, exercise, cognitive training, and vascular risk monitoring versus control to prevent cognitive decline in at-risk elderly people (FINGER): a randomised controlled trial. Lancet. 2015 Jun 6;385(9984):2255-63.
  3. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN): Leitlinie „Demenzen“. Langversion, Januar 2016.
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Bildquellen

  • Ein älteres Paar beim Radfahren: Halfpoint | Shutterstock.com