Behandlung der Demenz – Welche Therapieformen gibt es?

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Die Therapie bei Demenz zielt darauf ab, den Krankheitsverlauf zu bremsen und die Lebensqualität zu erhöhen. Dabei kommen Medikamente und nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Behandlung von Demenz zum Einsatz.

Allgemeine Informationen zur Behandlung von Demenz

Die häufigsten Formen der Demenz sind aus schulmedizinischer Sicht nicht oder schwer heilbar, es gibt jedoch eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören neben Medikamenten auch spezielle Fördermöglichkeiten und Ergotherapie, genauso wie Anpassungen des Umfelds an die Bedürfnisse des Betroffenen. Durch die Therapie soll das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden. Symptome werden gelindert oder ganz beseitigt. Das Ziel ist es, dass die Betroffenen möglichst lange selbstbestimmt leben können und eine möglichst hohe Lebensqualität haben. Auch die Angehörigen oder Betreuer profitieren von einer optimalen Therapie. Denn wo der Patient sich wohl, sicher und gut betreut fühlt, fallen auch viele Probleme und Konflikte weg, die durch Auswirkungen der Demenz verursacht werden können.

Dabei ist es wichtig, die Behandlung so früh wie möglich zu starten. Aus diesem Grund sollte bei einem Verdacht auf eine Demenz immer eine Diagnose beim Arzt erfolgen.

Die Therapie bei Demenz

Die wissenschaftlich belegte Form der Behandlung der Demenz umfasst zwei Ansätze: die medikamentöse Therapie und nicht-medikamentöse Maßnahmen. In den meisten Fällen werden verschiedene Möglichkeiten kombiniert. Hier erfahren Sie, welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Welche Ansätze zur Anwendung kommen, kann nur der Arzt entscheiden. Die Therapie hängt von der Art der Demenz und dem einzelnen Patienten ab. Gerade bei der Demenz, bei der es verschiedene Formen, Stadien und Verläufe gibt, ist ein individuell angepasster Therapieplan besonders wichtig.

Prof. Dr. Gerald Hüther über die Demenzforschung heute

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Medikamentöse Behandlung der Demenz

Medikamente kommen bei Demenz, zum Beispiel bei Alzheimer, zu verschiedenen Zwecken zum Einsatz. Zum einen soll die Verschlechterung der Gedächtnisleistung gebremst werden. Zum anderen können Medikamente gezielt gegen bestimmte Symptome und Verhaltensveränderungen eingesetzt werden, die mit einer Demenz einhergehen (Aggressionen, Ängste, Schlafstörungen und vieles mehr).

Acetylcholinesterasehemmer

Demenz-Medikamente (Antidementiva) sollen den Abbau der Gehirnleistung verlangsamen und die Gedächtnisleistung verbessern. In frühen und mittleren Stadien der Demenz kommen dabei oft sogenannte Acetylcholinesterasehemmer zum Einsatz. Acetylcholin ist einer der wichtigsten Neurotransmitter beim Menschen. Als Botenstoff sorgt Acetylcholin für die Übertragung von Signalen von einer Nervenzelle zur anderen und spielt eine maßgebliche Rolle für das Lernen, für die Erinnerungsfähigkeit und die Aufmerksamkeit. Acetylcholinesterasehemmer hemmen ein Enzym, das Acetylcholin abbaut. So steigt der Acetylcholin-Spiegel, der bei dementen Menschen oft erniedrigt ist, wieder an.

Pflanzlich alternative Behandlung mit Ginkgoextrakt EGb 761

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellen Extrakte aus Ginkgo biloba dar. Der Ginkgoextrakt EGb 761 wird von Experten in den aktuellen ärztlichen Leitlinien als pflanzliche Alternative bei leichter mit mittelgradiger Demenz genannt (1). Allerdings wird in diesen Leitlinien auch darauf hingewiesen, dass umfangreichere Nachweise und Studien zur Wirksamkeit im Moment noch fehlen. Ginkgoextrakte fördern die Durchblutung im Gehirn und sollen dadurch das Absterben der Nervenzellen verhindern.

Memantin

Bei einer mittelgradigen bis schweren Demenz kann der Wirkstoffe Memantin helfen. Er hemmt die Produktion von Glutamat im Gehirn. Glutamat wird bei Demenz vermehrt ausgeschüttet und trägt zum Absterben der Nervenzellen bei. In manchen Fällen bessern sich durch Memantin auch Verhaltensauffälligkeiten wie starke Unruhe, Verwirrtheit oder Halluzinationen.

Weitere Medikamente

Im Rahmen einer Demenz können unterschiedliche Symptome und Begleiterkrankungen auftreten. Diese werden bei Bedarf ebenfalls mit Medikamenten behandelt. Tritt zusammen mit der Demenz eine Depression auf, können Antidepressiva die Stimmung aufhellen und den Antrieb fördern. Bei Aggressionen, Sinnestäuschungen oder starker Unruhe können sogenannte Neuroleptika oder Antipsychotika helfen. Im Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen wägt der Arzt für jeden individuellen Fall den Nutzen genau ab.

Im Zweifelsfall sollten Sie mit dem Arzt sprechen, wenn Sie Fragen zur Behandlung haben, wenn eine Therapie nicht richtig zu wirken scheint, wenn Ihnen Nebenwirkungen auffallen oder wenn Sie neue Symptome bemerken, die bisher nicht aufgetreten sind.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Neben Medikamenten gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die den Verlauf einer Demenz verlangsamen und die Lebensqualität des Betroffenen (und damit auch der Angehörigen) verbessern können. Durch diese Maßnahmen lässt sich oft erreichen, dass Betroffene deutlich länger selbständig bleiben, sich sicherer fühlen und am normalen Alltag teilhaben können.

Ergotherapie oder Physiotherapie

Im frühen und mittleren Stadium einer Demenz ist die Ergo- und Physiotherapie oft sehr hilfreich. Bei einer Physiotherapie geht es vor allem darum, allgemeine motorische Fähigkeiten zu trainieren und zu erhalten. Im Fall einer Demenz wird stattdessen jedoch oft eine Ergotherapie durchgeführt. Bei der Ergotherapie werden Alltagstätigkeiten wie Kochen, Zähneputzen, Waschen oder Anziehen gezielt geübt, damit diese möglichst lange selbständig durchgeführt werden können. Ziel ist dabei auch, die Würde und Selbstbestimmtheit des Betroffenen zu bewahren.

Aktivieren mit Handgymnastik: Fingerspiele für Menschen mit und ohne Demenz. Band 2
  • Birgit Henze
  • Herausgeber: Schlütersche
  • Taschenbuch: 64 Seiten

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Beweglichkeit, Balance und ein Gefühl für den eigenen Körper lassen sich auch durch weitere Maßnahmen unterstützen. Dabei können sich oft auch Angehörige gut beteiligen. Massagen können für ein Wohlgefühl und ein besseres Körpergefühl sorgen. Wenn der Betroffene das gerne mitmacht, können – vor allem im frühen bis mittleren Stadium der Demenz – auch Tanzen und viele Arten der spielerischen Bewegung aktiver machen und Freude auslösen.

Psychotherapie, Verhaltenstherapie oder Aufklärungsgespräche

Im Frühstadium der Demenz sind Gespräche mit einem Psychologen oder einem Psychotherapeuten oft sehr sinnvoll. Die Diagnose Demenz ist für Betroffene und auch für Angehörige oft ein Schock. Sie löst Ängste, Unsicherheit oder Wut aus. Auch Depressionen können die Folge sein. Eine Psychotherapie kann helfen, mit der Demenz besser umzugehen und die Diagnose zu verarbeiten.

Kognitives Training

Training für die Gehirnleistung und für das Gedächtnis wird kognitives Training genannt. Vor allem im frühen Stadium einer Demenz ist es dadurch oft möglich, das Lern- und Wahrnehmungsvermögen aktiv zu halten. Das Training wird häufig in Gruppen durchgeführt, da sich die soziale Komponente und Interaktion oft positiv auf den Effekt des kognitiven Trainings auswirkt.

Kognitives Training: Ein sechswöchiges Übungsprogramm für Senioren zur Verbesserung der Hirnleistung
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  • Herausgeber: Hippocampus
  • Auflage Nr. 4 (13.10.2015)
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Realitätsorientierung

Menschen mit Demenz fällt es zunehmend schwerer, sich räumlich und zeitlich zurechtzufinden. Dabei helfen Übungen zur Realitätsorientierung. Hier werden zum Beispiel Uhrzeiten, Wochentage oder Jahreszeiten anhand von Bildern oder einem Kalender besprochen, um die zeitliche Orientierung zu üben.

Umschreibung Gegenstände - Wie heißt der gesuchte Gegenstand?: Seniorenbeschäftigung Rätsel
  • Casilda Berlin
  • Herausgeber: CreateSpace Independent Publishing Platform
  • Taschenbuch: 56 Seiten

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Autobiografische Arbeit

Diese Therapie wird speziell für Menschen mit einer leichten bis mittelgradigen Demenz angeboten. Durch Gespräche, Bilder, Fotos, Bücher, Musik oder auch Gerüche werden vergangene Erlebnisse und Erinnerungen wieder wachgerufen. Auch Angehörige und Betreuer der Betroffenen profitieren davon: Im späten Stadium der Demenz kann es sehr hilfreich sein, wenn man bereits weiß, mit welchen Reizen der Patient eine positive Stimmung und schöne Erlebnisse verbindet. Außerdem wird oft besser verständlich, warum der Betroffene bestimmte Reaktionen oder Verhaltensweisen zeigt. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Spätstadium der Demenz.

Musiktherapie oder andere kreative Tätigkeiten

Die Musiktherapie findet in Gruppen statt. Zusammen Musik anzuhören, selbst zu musizieren oder zu singen, regt die motorischen Fähigkeiten an und sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl. Musik kann Unruhe und Ängste lindern, die Stimmung verbessern und Erinnerungen wieder reaktivieren.

Je nach psychischen und physischen Voraussetzungen können sich auch Malen, Basteln oder andere kreative Tätigkeiten bei Demenz sehr positiv auswirken.

Anpassung des Umfelds an die Demenz (Milieutherapie)

Von einer Milieutherapie spricht man bei dementen Menschen immer dann, wenn das Umfeld und die Umgebung des Betroffenen an die Demenz angepasst werden. Das Ziel ist es, die Selbständigkeit und Zufriedenheit der Betroffenen zu verbessern und für ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit zu sorgen.

Dabei können viele Faktoren verändert werden: Maßnahmen zum Schutz sorgen innerhalb der Wohnräume oder in einer Pflegeeinrichtung dafür, dass Menschen mit Demenz sich nicht verletzen können. Dabei soll aber trotzdem ein freies Bewegen möglich sein, da Demente oft einen großen Bewegungsdrang haben. Zur besseren Orientierung kann es helfen, wenn bestimmte Räume (Küche, Bad) mit Farben gekennzeichnet sind. Generell gilt, dass möglichst wenig verändert werden sollte, damit Betroffene nicht mit Verwirrung auf die „neue“ Umgebung reagieren. Eine klare Strukturierung des Tages hilft Menschen mit Demenz dabei, sich sicher zu fühlen. Auch der Umgang und die Kommunikation mit dem Betroffenen wird an die Demenz angepasst.

Die Alzheimer-Revolution: Das erste Programm, um Demenz vorzubeugen und zu heilen
  • Dale E. Bredesen
  • Herausgeber: mvg Verlag
  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten

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Auch viele kleine Veränderungen können zum Wohlfühlen und zur Linderung der Unruhe beitragen. Nestelt der Betroffene gerne an Dingen herum, kann man ausprobieren, was er gern berührt und was ihn beruhigt. Das kann ein weicher Stoff, ein flauschiges Fell, ein glattes Stück Holz oder ein polierter Stein („Handschmeichler“) sein. Je nach den individuellen Vorlieben des Betroffenen können auch Gerüche, Düfte, die Lieblingspflanzen oder der Kontakt zu Tieren positive Assoziationen wecken und Verhaltensstörungen lindern

Ernährung bei Demenz inklusive Interview mit Prof. Dr. Andreas Michalsen

Menschen mit Demenz verändern sich. Auch das Essverhalten wird oft anders. Einige essen mehr, weniger oder entwickeln Gelüste auf bestimmte (manchmal ungesunde oder ungewöhnliche) Lebensmittel. Um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten und Mangelzustände sowie Unter- oder Übergewicht zu vermeiden, ist eine Unterstützung durch Ernährungstherapeuten oft eine große Hilfe.

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Kopfküche. Das Anti-Alzheimer-Kochbuch: 50 unvergessliche Rezepte gegen Alzheimer & Co.
  • Dr. med. Michael Nehls
  • Herausgeber: Riva
  • Auflage Nr. 2 (25.05.2018)
  • Taschenbuch: 208 Seiten

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Unterstützung durch Angehörige inklusive Interview mit Prof. Dr. Gerald Hüther

Angehörige und Betreuer, beziehungsweise generell alle Menschen, mit denen der Betroffene häufig engen Umgang hat, können viel zur Therapie beitragen. Einige Tipps zum Umgang mit Verhaltensänderungen finden Sie unter „Symptome und erste Anzeichen der Demenz“. In unserem Artikel „Spätstadium der Demenz: Tipps für Angehörige“ finden Sie Beispiel zum Umgang mit verschiedenen Situationen, die im späten Stadium einer Demenz auftreten können.

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Das Wichtigste dabei ist jedoch: Bleiben Sie ruhig und verständnisvoll. Geben Sie Zuwendung in Form von liebevoller Ansprach und Berührungen. Und falls Sie sich generell oder in bestimmten Situationen überfordert fühlen, sprechen Sie mit Ihren Arzt oder vereinbaren Sie einen Termin bei entsprechenden Beratungsstellen.

Literaturempfehlungen zum Thema Behandlung von Demenz

Kostenloser Download: Leitfaden zur Bewegung von Menschen mit Demenz

Auf 41 Seiten erhalten Sie unsere gut recherchierten Tipps zur Bewegungsförderung für Menschen mit Demenz. Das Konzept geht über die reine Ausübung von körperlicher Aktivität hinaus und beschäftigt sich mit Menschen mit Demenz aus einer ganzheitlichen Perspektive heraus.

Die Gesundheitsblogger Sandra und Matthias Exl

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Quellenangaben

  1. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN): Leitlinie „Demenzen“. Langversion, Januar 2016.

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Bildquellen

  • Eine Grafik des menschlichen Gehirns: Life science | Shutterstock.com

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